Aron's Souly Folk feat. Lettische Volksmusik

Auf der Spuren der Volksmusik in Lettland

Wie heisst es so schön "Reisen bildet". Begonnen hat alles mit dem Ziel, eine neue europäische Stadt kennen zu lernen. Wir hatten nur 4 Tage Zeit für dieses Abenteuer, darum haben wir uns für einen Städteflug entschieden. Und da bot sich Riga an, die Hauptstadt von Lettland, welche regelmässig ab Zürich angeflogen wird. Riga? Lettland? Kenne ich nicht. Nach einer Suche im Internet bin ich auf dieses Video gestossen. Ich war sofort fasziniert von dieser tiefgründigen,  Musik, geprägt von Erfurcht, Freude, Sehnsucht und ganz vielem mehr. Unbedingt wollte ich mehr von der lettischen Volkskultur wissen und so wurde der Städteflug zu einer spannenden Kulturreise :)


Ursprung und Geschichte

Noten und Dainas
Noten und Dainas

Die Volksmusik in Lettland hat eine wichtige Bedeutung. Über Jahrhunderte war das Land besetzt von fremden Herrschern. Eine eigene Identität aufzubauen war schwierig. Die Volkskultur wurde aber über Generationen weitergegeben - und sie bildet so heute die Seele Lettlands. 

 

"Dass die Letten den viele Jahrhunderte andauernden massiven Beeinflussversuchen der in ihrer Dynamik äusserst hemmungslosen Nachbarschaft nicht erlegen sind, ist eine der erstaunlichsten Feststellungen der gegenwärtigen  Kulturgeschichte. Ausserdem hat es dieses Folk es zustande gebracht, seine ursprünglichen ethnischen Kultugüter bis zur Neuzeit hinüber zu retten" 1)

 

Das Hauptaugenmerk der lettischen Volkskultur liegt auf den folkloristischen Texten, den so genannten Daina's. Die meist vier-zeiligen Verse sind als emotionales Bindeglied zu den ältesten Schichten ursprünglicher ethnischer Substanzen Lettland's zu verstehen. 

 

Visu gadu dziesmas krāju,

Jāņu dienu gaidīdama.

Nu atnāca Jāņu diena,

Nu dziesmiņas jāizdzieda.


Übersetzung:

Das ganze Jahr sammelte ich Lieder,

Auf den Jāņi-Tag wartend,

Nun ist der Jāņi-Tag gekommen,

Nun werden die Lieder gesungen.

 

Johann Gottfried Herder sammelte während seines Riga-Aufenthalts von 1764 bis 1769 einige Dainas und veröffentlichte sie 1778/79 in seinem zweibändigen Werk Volkslieder. Sein Verdienst ist die Erhebung des Volkslieds zum Kulturgut. Vorher wurden die Daina's ausschließlich mündlich überliefert. Zwischen 1894 und 1915 veröffentlichte der Astronom Krišjānis Barons, der „Vater der Dainas“, die größte und bis heute wichtigste Sammlung der lettischen Dainas – 217.996 Lieder in sechs Bänden. Der von ihm entworfene Daina-Schrank (Dainu skapis) ist heute ein „nationales Heiligtum“ der Letten.

 

Bis heute wurden weit über 2 Millionen folkloristische Texte aufgezeichnet. Neben Volksliedern und Volkstänzen sind auch Sprichwörter, Märchen, Zauberformeln, Rätsel u.ä. aufgeschrieben worden. 

Der Daina Schrank - auf der Suche nach dem nationalem Heiligtum

Was wäre ein Städteflug, ohne Hop-On Hop-Off Bus. Diese touristenfreundliche Gelegenheit, in 75 Minuten viel Wissenswertes über den Aufenthalts-Ort zu erfahren, haben wir auch benutzt. Sofort wurde klar: Riga ist reich an Geschichte und Kultur. Nicht umsonst wurde die lettische Hauptstadt 2014 zur europäischen Kulturhauptstadt erkoren. Ein Quartier mit über 50 Häusern aus dem Jugendstil, bildet eine bedeutende Sehenswürdigkeit (die Häuser sind über 100 Jahre alt, aber sehr gut erhalten - siehe Bild) 

Weiter auf der Touri-Tour kamen wir plötzlich in Kontakt mit der lettischen Volksmusik. In der Staatsbibliothek könne man die Ursprünge der Daina's sehen. "In einer Bibliothek? Was genau für Ursprünge?", fragten wir uns. Jedenfalls sind wir an der nächsten Haltestelle ausgestiegen und haben das 2014 eröffnete, angebliche umstrittene Gebäude betreten (umstritten darum, weil es wohl sehr teuer war...) Am Empfang erkundigten wir uns, ob wir hier wirklich richtig sind. 

Zuerst wurden wir neckisch abgewiesen, an einem anderen Empfangs-Schalter aber versuchten wir nochmals unser Glück. Die Dame war sehr freundlich, konnte aber nicht gut Englisch (wie viele Letten). Sie wusste nicht sofort, was wir mit "Folk-Music-Collection / Exhibition" meinte. Sie druckte uns ein englisch-sprachiges 'Inhaltsverzeichnis' aus und wir durften uns auf mit einem Besucher-Badge auf die Suche machten.  

 

Ein sehr modernes Gebäude mit über 10 Stockwerken. Von jedem Stockwerk hat man eine geniale Sicht auf den Fluss und die Altstadt. Wir studierten den Plan und fanden heraus, dass sich auf dem 5. Stockwerk eine Abteilung über die lettischen Volksmusik befand. 

 

 

Und da stand er: auf dem 5. Stock der Staatsbibliothek neben einem kleinen Bibliotheksraum auf der linken hinteren Seite, gut geschützt in einer Glas-Vitrine.  

 

"Das ist jetzt also das nationale Heiligtum von Lettland", dachten wir uns. Wir sind uns gewohnt, dass unser nationales Heiligtum, zum Beispiel die Rütliwiese oder der Bundesbrief, prominenter dargestellt werden. Aber das macht die Letten ja irgendwie auch wieder sympathisch und besonders. 

 

Die UNESCO-Tafel auf der Seite zeugt, dass wir richtig sind. 

2001 wurde der Daina-Schrank von der UNESCO in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen. 

 

 

Schublade mit Dainas, Foto: Didzis Grodzs
Schublade mit Dainas, Foto: Didzis Grodzs

Ein deutscher Handwerker baute Lettlands berühmtestes Möbelstück für Krišjānis Barons, dem Vater der Daina's. Es ist 160 cm hoch, 66 cm breit und 42 cm tief. Auf der Vorderseite besteht der Schrank aus zwei Reihen mit 35 kleinen Schubladen, die jeweils 20 Fächer enthalten. In ihm verstaute Barons die besagten 268.815 Zettel, die drei mal elf Zentimeter groß sind und auf denen überwiegend vier- bis achtzeilige Dainas aufgeschrieben wurden.  

 

 

Lettische Volksmusik allgemein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Daina‘s bilden bekanntlich der Mittelpunkt der lettischen Volksmusik. Lettland ist aber auch sehr bekannt für ihre traditionellen Chöre. Alle 5 Jahre findet das lettische Sängerfest statt. Seit 1873 zelebrieren die Letten ihre Traditionen mit einem grossen Fest mit 30'000 Teilnehmer. Weitere Infos zum Fest hier.

 

Zusammenfassend setzt sich die lettische Volksmusik somit hauptsächlich aus den Daina‘s und den Chören zusammen.

 

Nichtdestototz praktizieren auch die Letten eine instrumentale Volksmusik, welche stark an finnische und/oder ost-europäische Volksmusik ähnelt. Gespielt werden unterschiedliche Instrumente wie Geige, Harfe, Akkordeon, Blockflöte, Kontrabass und Kantele. Kantele ist ein Hackbrettartiges Instrument, das hauptsächlich in den nordischen Ländern wie Finnland und den baltischen Staaten gespielt wird. 

 

Auf unserem täglichen Rundgang durch Riga haben wir vielerorts gefragt, ob auch lettische Volksmusik zu hören ist. Selbst Insider-Informationen konnten uns nicht zum Ziel bringen, nicht einmal in einem Ethno-Museum. Aber auf einem Städte-Tripp darf man das auch nicht erwarten ;) 

 

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Liebe souly-folkige Grüsse 

Aron

 

 

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